Ist außerkörperliche Erfahrung gefährlich? | E.T.M. Romasanta
top of page
decorative element

Gefahren einer außerkörperlichen Erfahrung

Ist eine außerkörperliche Erfahrung gefährlich?

 

Die Erfahrung selbst war ein Geschenk. Was danach schiefging, war die Suche nach ihr. Ich wollte etwas erzwingen, für das ich noch nicht bereit war, und ich zahlte dafür über Jahre.

Der Ehrgeiz, der mich antrieb

Nach meiner ersten Erfahrung wollte ich nur eines: zurück dorthin. Eine Anleitung habe ich damals nicht gefunden, das Internet war noch nicht zugänglich. Aber eine bestimmte Art von Meditation schien mir der richtige Weg zu sein. Die empfohlene Übungszeit lag bei zweimal zwanzig Minuten am Tag, mit der ausdrücklichen Warnung, sie nicht zu überschreiten. Über Jahre würde sich so langsam etwas entwickeln.

Jahre waren mir zu lang. Aus zwanzig Minuten wurden Stunden. Ich war stolz auf meine Disziplin und merkte nicht, dass genau dieser Ehrgeiz das Problem war. Ich hatte die innere Reife für diesen Weg nicht. Ich hatte nicht an mir gearbeitet, meine Ängste nicht angesehen, meinen Hochmut nicht erkannt.

Was das Erzwingen auslöste

Sieben Wochen nach der Aufnahme meiner Meditationspraxis brach es das erste Mal über mich herein, mitten in der Nacht. Etwas Übermächtiges nahm mir die Kontrolle. Ich erlebte das gewaltsame Ausgestoßen-Werden aus dem Körper, und darin lag kein Licht und keine Glückseligkeit. Darin lag blanke Angst und echter körperlicher Schmerz.

In den Jahren danach kam es immer wieder. Alle sechs bis acht Wochen drängte mich eine Druckwelle aus dem Körper, ungerufen und gegen meinen Willen. Hier liegt die eigentliche Gefahr, und sie liegt nicht in der außerkörperlichen Erfahrung. Sie liegt im Erzwingen. Intensive spirituelle Übung ohne die entsprechende emotionale und geistige Reife kann ernste gesundheitliche Schäden anrichten. Ich hatte großes Glück. Es hätte auch anders ausgehen können.

Worauf es wirklich ankommt

Vielleicht hast du auch etwas erlebt, das so außergewöhnlich war, dass du es um jeden Preis wiederholen willst. Dann gilt dieser Text dir. Und du wirst hier kein Wie finden, keine Methode, keine Übung. Das Fehlen einer Technik ist der Kern dessen, was ich sagen will.

Das bloße Verlassen des Körpers ist kein Ziel. Es ist keine Garantie für Licht, für Frieden, für irgendetwas Schönes. Ich hatte geglaubt, es ginge darum, eine Schwelle zu überschreiten, und merkte erst spät, dass die Schwelle nicht im Außen lag, sondern in mir. Wer noch nicht an sich gearbeitet hat, seine Ängste nicht kennt, seinen Stolz nicht gesehen hat, der findet hinter der Schwelle nicht das Licht. Er findet seinen eigenen Schatten, ungeschützt.

 

Die Frage ist deshalb niemals, wie man schneller hinkommt. Die Frage ist, ob man bereit ist.

Bist du bereit, deinen Schatten zu sehen

Bevor man nach einer solchen Erfahrung greift, lohnt es sich innezuhalten, um ehrlich hinzusehen.

Kenne ich meine tiefsten Ängste, oder habe ich sie bisher umgangen?

Bin ich bereit, dem zu begegnen, was ich in mir immer verdrängt habe?

Warum will ich das? Suche ich eine Erfahrung, oder fliehe ich vor etwas?

Was erhoffe ich mir auf der anderen Seite, und was, wenn es nicht dort liegt, sondern hier?

 

Auf diese Fragen gibt es keine schnelle Antwort. Man sollte sich wirklich die Zeit nehmen, um sie auf sich wirken zu lassen. Wenn du in dieser Hinsicht unvorbereitet bist, kann deine Erfahrung möglicherweise sehr unangenehm und schockierend sein. Ein gewisses Maß an innerer Arbeit hilft dir, in deiner Erfahrung stabil zu bleiben und nicht von Ängsten überrumpelt zu werden.

Was die schweren Jahre mir gaben

In der ersten Nacht rief ich aus den Tiefen meiner Seele um Hilfe. Die nackte Angst ließ mich an etwas Göttliches glauben, ganz unmittelbar, abseits jeder Religion. In Momenten echter Todesangst zweifelt niemand. Man ruft instinktiv. Ich war einem inneren Gott in dieser Panik näher als je zuvor.

Mein Stolz verbrannte im Feuer dieser Angst. Was zurückblieb, war etwas, das ich vorher nicht kannte: Demut und Dankbarkeit. Die schweren Jahre haben mich nicht zerstört. Sie haben mich geformt und mich durch die schmale Tür der Selbsterkenntnis geführt, an der ich vorher immer wieder hängengeblieben war.

Vielleicht hast du diese Schwelle auch unvorbereitet überschritten und musst dich den Konsequenzen stellen. Dann möchte ich dir sagen, es gibt eine Lösung, einen Weg, und er führt immer zu dir selbst.

Weiterlesen

Wie sich Wahrnehmung nach einer solchen Erfahrung verändert, steht im Text Inneres Erleben und Wahrnehmung.

Was eine Tunnelerfahrung ist und wie sie sich von einer Nahtoderfahrung unterscheidet, steht auf der entsprechenden Seite.

Weitere kurze Reflexionen erscheinen auf Substack. Auf Substack lesen.

Eine persönliche Auseinandersetzung mit dieser Erfahrung und ihrer langfristigen Integration findet sich in meinem Buch Beyond the Body – Das Leuchten der Seele.

bottom of page